DIE ARBEIT DER SOS-KINDERDÖRFER IN HAITI
Die Anfänge der SOS-Kinderdorf-Arbeit in Haiti reichen zurück ins Jahr 1978. Damals nahm Rodriguez Ben Bichtotte, der Leiter eines Waisenhauses in Petite Place Cazeau, erste Kontakte zu SOS-Kinderdorf International auf. Ein Jahr später wurde der gemeinsame Entschluss gefasst, das Waisenhaus in ein SOS-Kinderdorf umzuwandeln und noch im selben Jahr erfolgte die Gründung eines nationalen SOS-Kinderdorf-Vereins. 1982 konnte das erste SOS-Kinderdorf Haitis in Petite Place Cazeau, acht Kilometer von Port-au-Prince entfernt, besiedelt werden. Schon ein Jahr später begannen die Bauarbeiten an einem zweiten SOS-Kinderdorf im Einzugsgebiet von Port-au-Prince und zwar in Santo.
1986 kam es zum Sturz des diktatorisch regierenden Präsidenten Jean Claude „Baby Doc“ Duvalier. Viele ausländische Firmen verließen das Land, die Wirtschaft brach zusammen. Die hohe Arbeitslosigkeit führte zur Verarmung zahlreicher Familien und damit zu Unter- und Mangelernährung vor allem von Kindern und zu großer sozialer Not. SOS-Kinderdorf International beschloss daher, weitere Einrichtungen in Haiti zu errichten.
So entstand in der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre das SOS-Kinderdorf Cap Haïtien. Um den Kindern und Jugendlichen eine gute schulische Ausbildung zu ermöglichen, entstanden darüber hinaus SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, die auch Kinder aus der Nachbarschaft aufnehmen. Den schwierigen Bedingungen und hohen Anforderungen, die der Arbeitsmarkt heute an die Jugendlichen stellt, wurde mit der Errichtung eines SOS-Berufsbildungszentrums Rechnung getragen. Die SOS-Jugendlichen wohnen in SOS-Jugendeinrichtungen, in denen sie auf ihrem Weg in die Selbständigkeit begleitet werden.
Ende 2003 wurden die Gebäude des SOS-Kinderdorfes Petite Place Cazeau samt Nebeneinrichtungen an eine kirchliche Hilfsorganisation übergeben.
2005 startete SOS-Kinderdorf Familienstärkungsprogramme. Ziel dieser Programme ist es, Kindern, die Gefahr laufen, von ihrer Herkunftsfamilie getrennt zu werden, den Verbleib in ihrer Familie zu sichern. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und stärkt sie in ihren Kapazitäten, die Kinder bestmöglich zu betreuen und zu schützen. Organisiert wird diese Präventivarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Sozialpartnern.
Zurzeit gibt es in Haiti zwei SOS-Kinderdörfer, zwei SOS-Jugendeinrichtungen, zwei SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, ein SOS-Berufsbildungszentrum und vier SOS-Sozialzentren.
